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"Das geht mir auf die Nerven"

Das geht mir auf die Nerven – ist alles nervig oder bist du sensibel?


Was steckt hinter dem Sprichwort?


Es ist doch ein so gut- und altbekanntes Sprichwort, man merkt es kaum mehr, was es wirklich bedeutet oder auslöst, wenn man es ausspricht.


Aber es ist wahrhaftig und hat einen tiefgründigen Sinn.


Es betrifft nämlich wirklich unser „Nervensystem“, um es genau zu sagen, unser „vegetatives (autonomes) Nervensystem“.


Ich möchte nicht wissenschaftlich werden. Nur kurz erklärt, haben wir ja einen Teil des Nervensystems der uns in Aktion und Bewegung bringt – das ist der „sympathische Anteil“ des vegetativen Nervensystems (Sympathikus). Diesen brauchen wir unweigerlich, wenn wir ins TUN kommen. Auf der anderen Seite ist der „parasympathische Anteil“ (Parasympathikus), der unser Erholungsteil ist. (Mehr dazu in einem meiner nächsten Blogs 😊)


Wenn wir also halbwegs ausgeglichen leben, können wir gut Leistung bringen und uns dann wieder erholen.


Das klingt einfach, wir schauen aber leider immer weniger darauf, dass es auch so bleibt.


Was hat das mit dem Sprichwort „das geht mir auf die Nerven“ zu tun?


Da befinden wir uns schon mitten im Thema und mitten in unserem autonomen Nervensystem.


Bist du verärgert, bist du wegen irgendetwas aufgebracht und musst dich furchtbar aufregen? Was glaubst du, welchen Teil deines Nervensystems du gerade damit ansprichst?


Den sympathischen Teil – der zwar sympathisch klingt, aber in diesem Sinne unser „Fight or Flight“ „Kampf oder Flucht“ Modus ist.


Bist du jetzt also in Rage und dich nervt jemand oder etwas, dann heizt du noch mehr diesen Teil an und dein Körper stellt sich auf „Kampf oder Flucht“ ein.


Ja genau, du fühlst dich richtig aufgeheizt und bekommst alle Zustände:


  • Dein Puls wird höher

  • Deine Atmung schneller

  • Vielleicht beginnst du zu schwitzen (zu kochen)

  • Du könntest explodieren

  • Deine Pupillen weiten sich

  • Stresshormone werden ausgeschüttet

  • Deine Verdauung meldet sich …


Eine normale Stresssituation, die nicht zu verachten ist und dich auch dementsprechend reagieren lässt. Du steuerst in dieser Situation den Sympathikus an und deine Reaktionen richten sich danach:


  • Du zuckst aus oder überreagieren

  • Du ziehst dich zurück – sprich flüchtest


Was ist aber so schlimm daran, wenn dir etwas auf die „Nerven“ geht?


Daran ist gar nichts schlimm, solange du weißt, was du tun musst, um dich wieder in Sicherheit zu bringen, um dich zu erholen – also den Parasympathikus und Ruheanteil zu aktivieren.


Jeder hat diese Situationen, wo etwas nervig ist, niemand ist gefeilt davor und das ist auch gut so, manchmal ist es auch ein Selbstschutz. Dein Nervensystem warnt dich vor etwas, was dir nicht guttut, also signalisiert es dir zu reagieren.


Und das ist das sinnvolle daran, es ist ok, wenn dich etwas nervt, solange du genau spürst, wann es dir zu viel wird und wie du deine „Nerven“ wieder beruhigen kannst. siehe dazu auch: „So lernst du, dich wieder zu spüren“.


Was passiert, wenn dir etwas auf die Nerven geht?


Intuitiv versuchen wir jeden Tag produktiv zu sein und alles gut zu überstehen, je nachdem wie der Tag verläuft, geht es uns mal gut oder schlecht.


Eigentlich beginnt der entscheidende Moment, wie der Tag für dich sein wird, meistens schon in der Früh.


Du wachst ausgeschlafen auf, vielleicht scheint die Sonne, die du so magst und irgendwie geht alles flott und leicht von der Hand.

Dein Nervensystem ist auf „Ausgeglichenheit“ ausgerichtet, heißt – nichts kann dich so wirklich aus dem Konzept bringen, auch wenn etwas daneben geht, oder du auf Mitmenschen triffst, die gerade nicht auf deiner „Wellenlänge“ surfen 😊

Nichts kann dich entmutigen … und so klingt der Tag auch meistens aus.


Wachst du jetzt aber schon in der Früh unausgeschlafen auf, hattest nicht genug Erholung, den Wecker hast du überhört und bist deshalb schon zu spät, dann ist vielleicht noch der Kaffee ausgegangen und die Milch sauer, das Wasser beim Duschen ist kalt, die Hose passt dir nicht mehr und dann patzt du dich noch mit Schuhcreme an … na bravo, der Tag fängt gut an, dann sei mal gespannt auf die Autofahrt in die Arbeit.



Bestimmt nervt dich dann alles, der Fahrer vor dir. der zu langsam ist, die Ampeln, die alle auf Rot sind, der Parkplatz, der weg ist …

Tja und so verläuft der ganze Tag … alles geht dir unheimlich auf die Nerven und am Ende des Tages bist du k. o. und wunderst dich.


Dabei ist es ganz normal, den ganzen Tag hat dein Nervensystem gekämpft und den Schuldigen für dein „genervt sein“ gesucht.


Gefunden wurde nichts Konkretes, somit ist dir alles auf die Nerven gegangen.


Da dein Nervensystem somit den ganzen Tag hindurch aufgeheizt wurde – vorwiegend der Sympathikus/Stressanteil in dir überaktiv war, kommst du nur schwer zu Ruhe und Ausgleich.


Was kannst du tun, um dein „genervt sein“ deine „Nerven“ zu beruhigen?


Wenn dein Tag schon irgendwie komisch beginnt, oder wenn du im Laufe des Tages merkst, dass es nicht dein Tag ist und dir auch noch jemand oder etwas auf die Nerven geht, dann sei dir bewusst, das muss nicht den ganzen Tag so sein!


Nichts und niemand ist dafür verantwortlich. Es gibt also keinen Schuldigen und du musst nicht kämpfen oder flüchten.


Stell dich dem Geschehenen, dem was passiert ist. Überlege vielleicht kurz und ja – ärgere dich vielleicht auch kurz, aber nur kurz… versuche diese Situation anzunehmen, wie sie geschehen ist, du kannst es sowieso nicht ändern und dich den restlichen Tag ärgern oder nerven, da wird es dir bestimmt nur noch schlechter gehen.


Also wenn es dir gelingt diesen Moment so anzunehmen und wieder ziehen zu lassen, tief durchzuatmen, dich zu beruhigen, deinen Parasympathikus – Ruheanteil zu aktivieren, dann kannst du sicher sein, dass du bzw. dein Nervensystem sich wieder beruhigt und du deinen Tag auch gut ausklingen lassen kannst.



Meine Tipps, was du in einer „genervten“ Situation machen kannst:


  • Zuerst versuche durch die Nase einzuatmen – tief in den Bauchraum – und durch den Mund fest wieder ausatmen. Mach das ein paar Mal, somit aktivierst du deinen Vagusnerv, der deinen Ruheanteil aktiviert.

  • Halte kurz inne und überlege, warum dich das Geschehen, die Situation oder Person gerade so nervt. Gibt es etwas, was dich dabei triggert? Was hat es mit dir zu tun?

  • Nimm das Gefühl an und sage dir selbst vor, dass es ok ist, dass dich das jetzt nervt, klopf dir dabei mit der Handfläche auf die Brust, denn zwischen den Lungenflügeln befindet sich deine Thymusdrüse. Das Klopfen der Thymusdrüse ist eine schnelle und effektive Methode, um Stress abzubauen und deine Abwehrkräfte zu steigern.

  • Wenn möglich, setz dich kurz hin und lehne dich zurück, trink etwas Wasser oder Tee und versuche den Moment in Ruhe zu genießen. Vielleicht schließe dabei auch kurz die Augen.

  • Leg nun auch die Hand auf dein Herz und wünsche dir etwas Gutes – dann hast du viel für dich getan!

  • Überlege dir, was dir in diesem Moment hilft und guttut, damit du gut nach vorne schauen kannst und den Tag gut weiter erleben kannst.


Es ist also nicht schlimm, wenn dir mal was auf die Nerven geht?


Nein, es ist überhaupt nicht schlimm, diese Momente und Situationen haben wir alle, egal wie feinfühlig und freundlich wir sind, es ist menschlich und darf auch sein.


Wichtig ist nur, nicht zu überreagieren und nicht auf die Suche nach dem Schuldigen zu gehen.


Es ist dein Nervensystem, du hast es in der Hand, es zu regulieren – in die Aktion – wie auch in die Ruhe zu bringen.


Sei dankbar für dieses wunderbare Vorgehen in dir, es schützt dich und will dich ins „Spüren“ bringen, hör hin und folge dem auch, dann sind es am Ende nur ein paar Momente, die vielleicht unpässlich sind …


Willst du mehr über dein Nervensystem erfahren und was es alles beeinflusst? Ich zeige dir sehr gerne, wie du wieder zum Ausgleich kommst in einer persönlichen Beratung.


Hast du das Gefühl, dass dir sehr oft etwas auf die Nerven geht und du häufig überreagierst, obwohl du es nicht willst? In einer persönlichen Beratung zeige ich dir gerne, wie du langfristig wieder in die Balance kommst.


Meine Beratungen können gerne auch ortsunabhängig und online stattfinden.


Ich biete zu diesem Thema auch regelmäßig Workshops für Unternehmen und Institutionen an, dann kontaktiere mich gerne direkt: office@mindful-living-lounge.at

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